Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Hessen

Für das Land Hessen ist die chemisch-pharmazeutische Industrie eine Schlüsselbranche des verarbeitenden Gewerbes. 2020 erzielten nach Angaben der amtlichen Statistik 133 Betriebe aus der Chemie- und Pharmabranche einen Gesamtumsatz von knapp 28 Milliarden Euro.

Mit einen Umsatzanteil von knapp 25 Prozent war die chemisch-pharmazeutische Industrie damit der umsatzstärkste Industriezweig des verarbeitenden Gewerbes in Hessen. Nach Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist Hessen darüber hinaus der drittgrößte Chemiestandort Deutschlands.

Die hessische Chemie- und Pharmaindustrie spielt auch in Bezug auf die Beschäftigung eine bedeutende Rolle. Für das Jahr 2020 erfasste die amtliche Statistik knapp 60.600 Beschäftige. Damit war die Branche die zweitgrößte Arbeitgeberin des verarbeitenden Gewerbes in Hessen, nach der Metall- und Elektroindustrie, mit rund 209.000 Beschäftigten.

Starker Pharmastandort
Pharmazeutische Erzeugnisse bilden die bedeutendste Produktgruppe der hessischen Chemie- und Pharmabranche. Knapp 46 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche entfielen im Jahr 2020 auf diese Sparte. Mit diesem hohen Anteil weicht die Produktionsstruktur der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Hessen erheblich von der Bundesebene ab. Dort entfiel auf diese Produktgruppe lediglich ein Umsatzanteil von rund 25 Prozent.

Wichtige Rolle industrieller Dienstleister
Zum Ende des Jahres 2020 waren 274 Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche, mit rund 102.000 Beschäftigten, Mitglied des Arbeitgeberverbandes Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen. Im Vergleich zu den Zahlen der amtlichen Statistik ist der Vertretungsbereich der HessenChemie somit deutlich größer.

Diese Differenz ist darauf zurück zu führen, dass die amtliche Statistik eine Reihe der im Verband organisierten Unternehmen aufgrund ihres Tätigkeitsschwerpunktes anderen Industriezweigen zurechnet. So werden unter anderem die Unternehmen, die in der Vergangenheit im Zuge der Restrukturierung großer Chemieunternehmen durch Ausgründung entstanden und heute selbstständig am Markt tätig sind, nicht in der Industriestatistik erfasst.

In diese Kategorie fallen im hessischen Chemiearbeitgeberverband auch die zurzeit rund 44 "chemienahen" Serviceunternehmen, die mit rund 10.500 Mitarbeitern im Verband organisiert sind. Diese Unternehmen arbeiten als industrielle Dienstleister der Chemie- und Pharmaindustrie in unterschiedlichsten Feldern, wie beispielsweise IT-Dienstleistungen, Instandhaltung, Logistik, Personaldienstleistungen, Aus- und Weiterbildung oder Catering. Amtliche Wirtschaftsdaten für diesen Bereich der chemienahen Dienstleistungen werden bislang nicht gesondert erfasst.

Die kunststoffverarbeitende Industrie in Hessen

Die amtliche Statistik verzeichnete 193 Unternehmen mit knapp 22.000 Beschäftigten in der kunststoffverarbeitenden Industrie in Hessen. Die fachspezifischen Belange dieser Sparte werden bei HessenChemie im Rahmen der Fachabteilung Kunststoffverarbeitende Industrie (KVI) vertreten. Sie schließt eigene Tarifverträge ab. Aktuell sind 39 Betriebe, mit etwa 5.300 Beschäftigten in der Fachabteilung zusammengeschlossen.

Die Sparte stellt Verpackungsmittel, Baubedarfsartikel, Halbzeuge wie Platten, Folien oder Schläuche, technische Teile, unter anderem für den Fahrzeug- oder Maschinenbau, sowie Gebrauchsartikel her.

Ausbildung

Für die hessische Chemie- und Pharmaindustrie stellt die Ausbildung von Fachkräften von jeher eine bedeutende Investition in die Zukunft dar. 2020 boten die Chemie-Mitgliedsunternehmen der HessenChemie 1.467 Ausbildungsplätze an. Hinzu kamen 81 Plätze in Unternehmen der Fachabteilung Kunststoffverarbeitung.

Die Unternehmen leisteten damit, im Rahmen des sowohl für die Chemie, als auch für die kunststoffverarbeitende Industrie in Hessen vereinbarten Tarifvertrags "Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg" einen wichtigen Beitrag zu dem Ziel, allen ausbildungswilligen und -fähigen jungen Menschen ein Ausbildungsplatzangebot zu machen.
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