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Wiesbaden |

HessenChemie: Standortpolitik muss Wirkung zeigen

Oliver Coenenberg fordert mehr Tempo bei Entlastungen und warnt vor zusätzlichen Unsicherheiten für die Industrie

Die Lage für die hessische Chemie- und Pharmaindustrie bleibt schwierig. Bei der Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbands HessenChemie machte Vorstandsvorsitzender Oliver Coenenberg deutlich, dass die Unternehmen in einem zunehmend unsicheren Umfeld Kurs halten müssen. „Hessen gehört zu den starken Chemie- und Pharmastandorten in Deutschland. Aber Stärke ist kein Besitzstand. Sie muss immer wieder neu erarbeitet werden“, sagte Coenenberg.

 

Internationale Krisen verschärfen Standortdruck

Hohe Energie-, Rohstoff- und Arbeitskosten, zunehmende Handelskonflikte und geopolitische Krisen prägen das Umfeld der Chemie- und Pharmabranche. Der Iran-Konflikt und die Lage rund um die Straße von Hormus zeigen, wie schnell internationale Spannungen Lieferketten belasten und Kostenstrukturen verändern können. Umso wichtiger sind stabile und verlässliche Rahmenbedingungen in Deutschland.

 

Sozialabgaben müssen wieder sinken

Für die Arbeitgeber bleibt die Belastung durch Sozialabgaben besonders dringlich. Schon heute liegt der Gesamtsozialversicherungsbeitrag bei 42,3 Prozent. Ohne Reformen kann er nach Berechnungen des Sachverständigenrats bis 2040 auf nahezu 50 Prozent steigen. „Jeder zusätzliche Beitragspunkt verteuert Arbeit, schmälert Nettoeinkommen und gefährdet Arbeitsplätze und Investitionen. Ein Sozialstaat, der Arbeit immer weiter belastet, schwächt die wirtschaftliche Basis, aus der er finanziert wird. Deshalb braucht es strukturelle Reformen, klare Finanzierungsverantwortung und eine Begrenzung der Ausgabendynamik“, so der Vorstandsvorsitzende. Auch die anstehenden Vorschläge der Alterssicherungskommission müssten sich daran messen lassen, ob sie die Rentenfinanzierung demografiefest machen und einen weiteren Anstieg der Lohnnebenkosten begrenzen. „Rentengarantien ohne generationengerechte Finanzierung führen in die Sackgasse“, sagte Coenenberg. Ziel seien stabile Beiträge – und perspektivisch wieder niedrigere Belastungen auf Arbeit. Dafür müssten nun unterschiedliche politische Positionen in einen klaren gemeinsamen Kurs münden. Andernfalls litten die Planungssicherheit der Wirtschaft sowie das Vertrauen der Menschen in die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen. Coenenberg verwies auf die Chemie-Tarifrunde 2026 als Beispiel für Einigungsfähigkeit in schwierigen Zeiten. Arbeitgeber und Gewerkschaft hätten unterschiedliche Interessen zu einem tragfähigen Kompromiss zusammengeführt.

 

Hessischer Industrietrialog als Signal für gemeinsame Lösungen

Als weiteres positives Beispiel nannte Coenenberg den hessischen Industrietrialog. Seit 2024 kommen auf Initiative des Hessischen Wirtschaftsministeriums Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften zusammen, um Antworten auf die Herausforderungen des Industriestandorts zu entwickeln. HessenChemie habe sich mit der Perspektive der Mitgliedsunternehmen und mit konkreten Vorschlägen eingebracht. Ein Ergebnis ist das im April 2026 vorgestellte Industriepaket Hessen. „Industriepolitik gelingt dann am besten, wenn Politik, Wirtschaft und Sozialpartner nicht übereinander reden, sondern miteinander an Lösungen arbeiten“, so Coenenberg. Jetzt komme es auf die konsequente Umsetzung an.

 

Veränderungen im Vorstand

Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurden auch personelle Veränderungen im Vorstand vollzogen. Nach langjähriger Mitarbeit schieden Matthias Bürk von Merck und Bettina Buschhoff von Procter & Gamble aus dem Vorstand aus; Buschhoff war stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Coenenberg dankte beiden für ihr intensives Engagement für die HessenChemie. Neu in den Vorstand gewählt wurden Dr. Vanessa Westphal von Merck und Dr. Martina Gieg von Heraeus. Jürgen Rings von der Höchster Pensionskasse wurde zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden gewählt.

 

Vorstandsvorsitzender:

Oliver Coenenberg, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

1. Stellvertretender Vorsitzender:
Jürgen Rings, Pensionskasse der Mitarbeiter der Hoechst-Gruppe VVaG

2. Stellvertretender Vorsitzender:
Dr. Stefan Ruppert, B. Braun SE

 

Weitere Mitglieder:

Hans-Jörg Bergler, Merz Pharma GmbH & Co. KGaA
Richard Mark Engelhard, Engelhard Arzneimittel GmbH & Co. KG 
Dr. Martina Gieg, Heraeus Holding GmbH
Kerstin Oberhaus, Evonik Operations GmbH
Dr. Thorsten Posner, Clariant Verwaltungsgesellschaft mbH
Christian Scheller, Technoform Caprano + Brunnhofer GmbH
Thorsten Stute, HEWI Heinrich Wilke GmbH
Dr. Alexander Wagner, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG
Dr. Vanessa Westphal, Merck KGaA

 

Über HessenChemie

Im Arbeitgeberverband HessenChemie sind 310 Mitgliedsunternehmen mit 105.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen und kunststoffverarbeitenden Industrie sowie einiger industrienaher Serviceunternehmen zusammengeschlossen. 
 

V.l.n.r.: Dirk Meyer (HessenChemie), Christian Scheller (Technoform Caprano + Brunnhofer), Dr. Vanessa Westphal (Merck), Dr. Alexander Wagner (Infraserv Höchst), Dr. Martina Gieg (Heraeus), Dr. Stefan Ruppert (B. Braun), Jürgen Rings (Pensionskasse Höchst), Oliver Coenenberg (Sanofi-Aventis Deutschland), Kerstin Oberhaus (Evonik Operations)
V.l.n.r.: Dirk Meyer (HessenChemie), Christian Scheller (Technoform Caprano + Brunnhofer), Dr. Vanessa Westphal (Merck), Dr. Alexander Wagner (Infraserv Höchst), Dr. Martina Gieg (Heraeus), Dr. Stefan Ruppert (B. Braun), Jürgen Rings (Pensionskasse Höchst), Oliver Coenenberg (Sanofi-Aventis Deutschland), Kerstin Oberhaus (Evonik Operations)
V.l.n.r.: Jürgen Rings (Pensionskasse Höchst), Oliver Coenenberg (Sanofi-Aventis Deutschland), Dr. Stefan Ruppert (B. Braun)
V.l.n.r.: Jürgen Rings (Pensionskasse Höchst), Oliver Coenenberg (Sanofi-Aventis Deutschland), Dr. Stefan Ruppert (B. Braun)

Redaktion